Spielerporträts
Drazan Tomic:
Vom Freiplatz in die Nationalmannschaft
Im Jahr 1987 war Streetball in Berlin nur für die wenigsten ein Begriff. Auf dem Basketball-Freiplatz am Innsbrucker Platz in Berlin-Schönefeld aber wurde diese spätere Trendsportart von Jugendlichen bereits intensiv praktiziert. Unter ihnen war auch ein hochtalentierter Junge, der beim Schulsport zum ersten Mal Kontakt mit dem orangen Leder hatte und den die Lust am Spiel nicht losließ - und bis heute nicht mehr losgelassen hat.
Die Rede ist von Drazan Tomic, der mittlerweile in der ersten spanischen Liga bei Etosa Alicante spielt. Beim 4. Platz der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2001 war er mit dabei. Zwar bekam Tomic nicht so viel Einsatzzeit, doch zeigte der Nationalspieler, dass er bereit ist für seine Zeit zu arbeiten. Mit 57 Prozent von der Dreierlinie überzeugte er mit seiner Wurfqualität.
Bei der Weltmeisterschaft 2002 zählte er bis kurz vor ?Toreschluss? zum Kader. Die Entscheidung, ihn nicht mit nach Indianapolis zu nehmen, fiel dem ehemaligen Bundestrainer Henrik Dettmann außerordentlich schwer. Trotzdem ist Drazan Tomic weiterhin fester Bestandteil der Nationalmannschaft und kann auf mittlerweile 83 Länderspiele mit knapp 6 Punkten pro Spiel zurückblicken. Seine weitere Entwicklung wird von den Auftritten in der EM-Vorbereitung und in den Spielen für seinen Verein abhängen.
Für Tomic, dessen Eltern aus Kroatien stammen, war schon bald klar, dass er es nicht bei einer Laufbahn als ?Freiplatz-Zocker? belassen wollte. So wurde er Mitglied beim Basketballklub DTV Charlottenburg. Bereits nach kurzer Zeit fühlte er sich auch hier unterfordert und wechselte deshalb zum TuS Lichterfelde, einem Verein, der bereits damals durch seine hervorragende Nachwuchsarbeit ein hohes Ansehen in Basketball-Deutschland genoss.
In der Zweitligamannschaft, wo der Youngster bereits früh Verantwortung und Spielzeit übertragen bekam, machte der athletische Guard einen entscheidenden Sprung nach vorne. Mit einem Leuchten in den Augen spricht Tomic von seiner Zeit bei Lichterfelde, auch heute noch bezeichnet er den Sieg ?mit TuSLi gegen Herten ? er bedeutete die BL-Aufstiegsrunde? als den wichtigsten seiner Karriere. Bereits im Alter von 18 Jahren erhielt Tomic 1993 schließlich einen Vertrag beim Lichterfelder Kooperationspartner ALBA Berlin. wobei er mit einer Doppellizenz auch noch für seinen ehemaligen Klub auf Korbjagd ging.
Nachdem er beim Spitzenteam ALBA schnell Fuß gefasst hatte, wurde der damalige Bundestrainer Vladislav Lucic auf den erfolgreichen Korbjäger aufmerksam, und im November 1995 feierte Drazan Tomic ein erfogreiches Debüt im Nationaldress. Wenige Tage später überzeugte er erneut mit neun ?big points? gegen Estland. Im Jahre 1997 konnte er mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit Berlin seinen wichtigsten Titel feiern.
Trotzdem zog es ihn im selben Jahr von der Spree an den Rhein, zu den Telekom Baskets Bonn. Hier reifte er unter der Regie von Headcoach Bruno Soce vom ?vielbeachteten ALBA-Talent zum gestandenen Bundesligaprofi?, urteilte das BBL-Jahrbuch 1998/99.
Nicht zuletzt auf Grund seiner Qualitäten und des vorbildlichen Einsatzes, den Tomic Spieltag für Spieltag leistete, konnten die Bonner ihre Erfolgsstory in der 1. Bundesliga fortsetzen und 1999 ihren zweiten Vizemeistertitel feiern. Auch auf europäischer Ebene war Tomic ein absoluter Leistungsträger im Bonner Spiel.
Der Lohn war 1998 die erneute Berufung in die Nationalmannschaft, mit der er schließlich auch bei der EM in Frankreich 1999 antrat. Tomics persönlicher Höhepunkt des Turniers war der 102:86-Sieg des DBB-Teams gegen den haushohen Favoriten Kroatien, wo er mit 32 Punkten (6/8 Dreier) zum Matchwinner wurde und die Mannschaft das Ticket zum Viertelfinale löste.
Das neue Jahrtausend brachte für Tomic erneut eine berufliche Veränderung: Nachdem der Vertrag mit den Telekom Baskets ausgelaufen war, kehrte er zuerst zu ALBA Berlin zurück, wo Coach Emir Mutapcic ihn lediglich als Übergangslösung für den verletzten Jörg Lütcke einplante. Im Dezember 2000 schließlich unterzeichnete der 28-jährige einen Vetrag beim französischen Spitzenklub Elan Chalon, mit dem er in der Saison 2000/2001 bis ins Finale des Korac-Cups vorstieß.
Im Jahr 2001 ist Drazan Tomic beim Bundesliga-Klub Rhein Energy Cologne gelandet. Nach einem starken ersten Jahr, das die Kölner mit der Vize-Meisterschaft krönten, ist Tomic in der letzten Saison nicht richtig in Fahrt gekommen. Grund dafür sind unter anderem zahlreiche kleine Verletzungen, die den dynamischen Guard immer wieder zurück warfen.
Mittlerweile steht Drazan Tomic bei Etosa Alicante in der 1. spanischen Liga unter Vertrag. Nach einer harten Saison im Abstiegskampf, konnte er am Ende mit seinem Team den 14. Platz belegen.
Stand: 22.06.2004