Spielerporträt Shawn Bradley
2,29 Metern helfen besonders in der Defense
Der Center des NBA-Klubs Dallas Mavericks, Shawn Bradley, hat einen Traum: Er möchte bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen starten. Mit der Nationalmannschaft der USA konnte dieser Traum nicht in Erfüllung gehen, da für diese Auswahl nur die aktuellen und zukünftigen Superstars (und somit Werbeträger) der Liga berücksichtigt werden. Kein Platz also für einen soliden Rollenspieler wie den 2,29 Meter großen Shot-Blocker. Viele Wege aber führen nach Rom in diesem Falle natürlich Athen und so ist es auch bei Shawn Bradley.
Bradley kam am 22.03.1972 in Deutschland auf die Welt, sein Geburtsort ist das pfälzische Städtchen Landstuhl. Hier war sein Vater, ein US-Soldat, vor etwa dreißig Jahren stationiert. Deshalb war es dem Mannschaftskameraden von Dallas-Topscorer und Nationalspieler Dirk Nowitzki möglich, im Sommer 2001 die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Das Einbürgerungsverfahren wurde zügig abgeschlossen, so dass der Bundestrainer des DBB, Henrik Dettmann, den Hünen bereits bei der EM 2001 in der Türkei einsetzen konnte. Dort wurde er zwar nicht zum überragenden deutschen Spieler, aber zur wichtigen Stütze in der Defense, der durchaus Anteil am guten 4. Platz der DBB-Auswahl hatte. In bisher neun offiziellen Länderspielen für Deutschland kam Bradley auf durchschnittlich 4,8 Punkte. Shawn Bradley wurde im letzten Jahr wegen Verletzung und aus Versicherungsgründen nicht für den WM-Kader berücksichtigt, spielt aber in den Planungen für die EM 2003 in Schweden weiterhin eine Rolle. Denn wenn der Hüne fit ist, kann er der deutschen Mannschaft in jedem Fall helfen. In der aktuellen NBA-Saison präsentiert sich der ?Funkturm? gut wie schon lange nicht mehr. Bleibt zu hoffen, dass er einmal eine komplette Spielzeit ohne Verletzung durchspielen kann. Vor dem Start seiner NBA-Karriere spielte Shawn Bradley am Brigham Young College in der NCAA. Hier kam er auf Durchschnittswerte von 14,8 Punkten, 7,7 Rebounds und 5,2 (!) Blocks pro Spiel. In dieser Kategorie führte er die NCAA an und konnte David Robinsons Rekord von 14 geblockten Würfen in einem Spiel einstellen - und das als Freshman, also als Neuling in der Liga. Als Lohn wurde er zum ?Player of the Year? in seiner Conference gewählt und verhalf seinem Team zur Teilnahme am NCAA Tournament.
Von 1991-93 nahm Shawn Bradley eine Auszeit vom Sport, um zwei Jahre auf einer Mormonen-Mission in Australien zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr von Down-Under wurde der Riese mit dem lockeren Händchen 1993 an zweiter Stelle von den Philadelphia 76ers in die NBA gedrafted. Nachdem er die zweite Hälfte seiner ersten Saison wegen einer schweren Knieverletzung aussetzen musste, brachte Bradley es in seiner zweiten Spielzeit bereits auf 9,5 Punkte, 8 Rebounds und 3,34 Blocks pro Partie. Innerhalb der folgenden zwei Jahre kam Bradley über die Zwischenstation New Jersey Nets 1996 zu den Dallas Mavericks, wo bis heute seine sportliche Heimat liegt. In mittlerweile neun Jahren NBA etablierte sich Shawn Bradley als einer der besten Shot-Blocker der Liga. Auch in der Offensive ist Bradley immer für einige Punkte gut, im Vergleich zu den Spitzencentern der Liga allerdings mangelt es ihm bei seiner Körperlänge an der notwendigen Muskelmasse, um ein effektives Post-Up-Game zu etablieren und aggressiver beim Rebound zu Werke zu gehen. Dafür verfügt er allerdings über einen weichen Wurf aus der Mitteldistanz.
Es war nach einiger Zeit klar, dass er wohl nie die Chance bekommen würde, im DreamTeam für die USA bei Olympia aufzulaufen. Als er davon hörte, dass es ihm allerdings möglich wäre, für die deutsche Nationalmannschaft anzutreten, zögerte er keine Sekunde. In einem Gespräch mit Dirk Nowitzki machte er seine Absichten klar. So kam der Kontakt mit dem DBB zustande, wo man über die unverhoffte Verstärkung natürlich hocherfreut war. So könnte sich der Traum des Deutsch-Amerikaners von Olympia doch noch erfüllen. Die Qualifikation für Athen 2004 findet nämlich bei der nächsten EM 2003 in Schweden statt.
Stand: 6.03.2003