Spielerporträts
Stephen Arigbabu
Das komplette Paket unter den Brettern
Nach seinen guten Leistungen in der EM-Qualifikation hat sich Stephen Arigbabu (geb. 15.02.1972) bei der WM 2002 in Indianapolis im Vergleich zur letztjährigen EM deutlich verbessert gezeigt. Er erhielt mehr Spielzeit und konnte sich trotz großer Konkurrenz auf der Power Forward Position behaupten. Vor allem durch seine gute Athletik bietet er für das Spiel unter den Brettern das "komplette Paket".
Mit 2,06 Metern hat er für die Position des Power Forwards Gardemaß, ist mit einem sicheren Schuss aus der Mitteldistanz ausgestattet und kann sich mit seiner Athletik und 115 kg Körpergewicht in Offensive wie Defensive unter den Körben durchsetzen. So verwundert es nicht, dass Arigbabu sich auch vor seinem Wechsel nach Köln bei seinem Engagement bei Dafni Athen in der starken griechischen Liga durchgesetzt hatte und auch weiterhin im Kader der deutschen Nationalmannschaft eine feste Größe darstellt.
Seine Basketballkarriere begann er im Alter von 15 Jahren beim TK Hannover, wo er kurze Zeit später mit der B-Jugend Niedersachsen-Meister wurde. Mit der ersten Mannschaft schaffte er später den Aufstieg in die zweite Bundesliga, bevor es ihn 1991 für drei Jahre zum Erstligisten SG Braunschweig verschlug. Dort reifte er zum gestandenen Bundesligaakteur. 1994 schließlich wurde der Ulmer Coach Brad Dean auf den jungen Brettspieler aufmerksam und holte ihn an die Donau.
Hier war Stephen Arigbabu von Anfang an einer der Leistungsträger und zusammen mit Nationalspieler Jens Kujawa eine Macht unter den Körben. Mit Kujawa auf der Position Fünf musste der bis dahin ständig als Center eingesetzte Arigbabu allerdings auf den Power Forward umlernen - was ihm zu Anfang nicht ganz leicht fiel: "Ich habe, seit ich denken kann, als Center gespielt. Und jetzt bin ich plötzlich eine 4!" Bald aber hatte er auch die Umstellungsschwierigkeiten - besonders die Verteidigung von kleineren Gegenspielern bereitete ihm anfangs Probleme - überwunden.
In seiner zweiten Saison bei den Ulmern (1995/96) konnte er schließlich seinen ersten großen Titel feiern: Die Spatzen gewannen beim Final-Four-Turnier in Berlin den DBB-Pokal. Trotz eines attraktiven Angebotes seines Vereins zog es Arigbabu nach einer erfolgreichen Spielzeit allerdings vor, zum Erfolgscoach Svetislav Pesic und seinem Verein ALBA Berlin zu wechseln. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die Aussichten, mit dem Hauptstadtklub in der Europaliga zu spielen und so auch die eigenen Fähigkeiten auf ein höheres Niveau zu heben. Gleichzeitig mit dem Wechsel an die Spree wurde der damals 24-jährige in die Nationalmannschaft berufen.
Während seines Engagements bei ALBA (1996-98) gewann Arigbabu mit dem Team zweimal die Deutsche Meisterschaft und einmal den DBB-Pokal. Allerdings entsprach diese Zeit nicht ganz den Vorstellungen des Vorzeigeathleten. Speziell in der Europaliga bekam er nicht die gewünschten Einsatzzeiten, obwohl der Trainer scheinbar von seinem Spiel überzeugt war.
Letztendlich beschloss er, seinen Vertrag nicht zu verlängern, sondern sich ins Ausland zu orientieren. Im Juli 1998 unterschrieb er schließlich einen Vertrag beim griechischen Erstligisten Papagou Athen, wo er schnell zu einer der Hauptstützen des Vereins avancierte. Trotzdem war der Abstieg von Papagou zum Ende der Saison nicht zu verhindern, so dass Arigbabu 1999 bei Panionios Athen anheuerte. Nach seiner Zeit bei Dafni Athen wechselte er vor der Saison 2001/02 zu RheinEnergie Cologne, wo er im ersten Jahr wieder unter Svetislav Pesic spielte.
Nicht nur als Konstante unter den Brettern strahlte Arigbabu Gefahr aus, auch von jenseits der 3-Punkte-Linie wurde er zu einem hochprozentigen Vollstrecker, der nur sehr schwer zu verteidigen ist. In der letzten Saison gelang dem 33-Jährigen im Liga-Spiel gegen Leverkusen sogar das Kunststück, den Ball mit der Halbzeitsirene von der eigenen Freiwurflinie im gegnerischen Korb zu versenken. Insgesamt verlief die Saison 2002/03 aber nicht so gut für ihn. Sein neuer Coach, Stephan Baeck war mit Arigbabus Leistung nicht zufrieden und plante für die kommende Saison 2003/04 ohne ihn. Daraufhin wechselte er zum Mitteldeutschen BC, wo der ehemalige Bundestrainer Henrik Dettmann sein neuer "alter" Coach war. In der abgelaufenen Saison war er bei den "Wölfen" bester Rebounder (6,9) und zweitbester Scorer (11,5), für die Play-Off-Teilnahme reichte es aber nicht.
Im Sommer 2004 wechselt er abermals den Club, dieses mal wieder in das europäische Ausland: Wie auch Misan Nikagbatse unterschrieb er bei Roseto Basket/ITA. Zwar scheiterte er mit Roseto bereits in der ersten Play-Off-Runde, seine persönliche Statistik ist jedoch zufriedenstellend: Bei einer Spielzeit von durchschnittlich 21,7 Minuten steuerte Arigbabu im Schnitt 8,1 Punkte in der Hauptrunde und 7,7 Punkte in den drei Play-Off-Spielen bei.
Sein Engagement im Ausland bewertet Arigbabu trotz der häufigen Vereinswechsel positiv ("Der Wechsel hat mich menschlich und sportlich enorm weitergebracht!"). Vielleicht spielt er aber auch so gerne im Ausland, weil er nicht, wie viele seiner Kollegen, in den USA am College gespielt hat. Seine Amerika-Erfahrung holte er sich statt dessen im Sommer 1995 bei einem sogenannten "Big-Men-Camp" in Seattle. Neben Kraft- und Wurftraining bekam er dort auch die Gelegenheit, sich mit einigen Profis des NBA-Klubs Seattle SuperSonics zu messen. Für Arigbabu war dies, wie er sagt, eine sehr wertvolle Erfahrung.
Im Sommer 2004 lieferte er gewohnt zuverlässig seinen Beitrag für die deutsche Nationalmannschaft. Mittlerweile stehen 157 Länderspiele mit 829 Punkten auf seinem Konto. Im Zuge der Europameisterschaft im September werden noch weitere Länderspiele das Kontingent auffüllen.
Bei der Europameisterschaft 2005 in Serbien und Montenegro erzielte Arigbabu 2,5 Punkte im Durchschnitt und darf sich nunmehr mit der wunderschön glänzenden Silbermedailole schmücken. Im Sommer wechselte er zurück zu Alba Berlin, wo er auch wieder nationale Titel einheimsen will. In der Backup-Rolle gelang ihm das auch beinahe, musste er sich doch erst im Finale gegen RheinEnergy Köln geschlagen geben.
Pünktlich zum Beginn der Vorbereitung auf die WM 2006 in Japan wurde Stephen Arigbabu für die Nationalmannschaft nominiert. Arigbabu freute sich über die Nominierung, lehnte sie jedoch ab und gab seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Der Gewinn der Silbermedallie bei der EM 2005 ist damit sein letztes Gastspiel in der Nationalmannschaft gewesen.
Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft spielte Stephen Arigbabu beim italienischen Erstligisten Euro Roseto, wo bei bei 21 Spielzeit im Schnitt 8 Punkte erzielte und sich 5,4 Rebounds sichern konnte. Für die Saison 2005/2006 wechselte der Center für eine Spieltzeit zurück zu Alba Berlin.
Nachdem Sven Schultze in Laufe der Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2007 in Spanien aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, musste Nationaltrainer Bauermann handeln und vorallem die Präsenz unter den Körben verbessern. Seine Idealbesetzung hierfür war Stephen Arigbabu. Der überlegte nicht lange, sondern packte seine Koffer, um der Nationalmannschaft zu helfen. In durchschnittlich 7 Minuten Spielzeit sicherte sich der sympatische Center 2 Rebounds.
In der kommenden Saison spielt Stephen Arigbabu in der 1. griechischen Liga bei Olympia Larissa.
Stand: 06.11.2006