Bevor Johannes "Joe" Herber (geb. 17.01.1983) den Sprung in die USA wagte, spielte er für den TV Langen in der 2. Bundesliga Süd. In der Saison 2001/02 konnte er dort im Schnitt 14,4 Punkte erzielen, 3,8 Assists geben und 3,7 Rebounds sammeln – dann führte ihn sein Weg ans College.
Schon in seiner „Freshman“-Saison gehörte er zur „starting five“ und avancierte sofort zum besten Defensivrebounder seines Teams. „Dabei hatte ich gar nicht wirklich erwartet, hier sofort als Starter aufzulaufen“, war er von seiner schnellen Integration ins Team selbst überrascht. In den folgenden Jahren avancierte „Joe“ zum richtigen Führungsspieler innerhalb der Mannschaft: In allen 35 Saisonspielen stand Johannes Herber in der Anfangsformation und steuerte durchschnittlich 8,6 Punkte bei. Dazu verbuchte er im Schnitt 4,1 Rebounds und 3,1 Assists. Mit den „Mountaineers“ feierte er den größten Vereinserfolg seit 40 Jahren. Nur knapp verpasste die West Virginia University nach Siegen über Creighton, Wake Forest und Texas Tech das College-Final-Four. Herber und Co. unterlagen gegen Louisville im Viertelfinale mit 85:93. Ein Spiel, über das Johannes Herber noch lange nachdenken wird. „Joe“ vergab kurz vor Schluss einen wichtigen Wurf, der die Vorentscheidung zugunsten seines Teams hätte herbeiführen können: „Der Wurf hat mich die ganze Nacht um den Schlaf gebracht!“
Herber gehörte auch in der Saison 2003/04 zu den besten Spielern der West Virginia Mountaineers. Mit durchschnittlich 8,2 Punkten, 4,3 Rebounds und 3,3 Assists spielte er eine sehr gute Saison und wurde ins „Third Academic All-American Team“ berufen. Er ist damit der Jüngste aller Studenten, die in eines der drei „All-American" Teams gewählt wurden. Seine Uni-Noten konnte Johannes Herber im letzten College-Jahr sogar noch weiter verbessern, so dass er nun einen Platz im „Academic All-America First Team“ zugesprochen bekam.
In der Saison 2005/2006 bewies Herber seine Beständigkeit und erzielte durchschnittlich 9,3 Punkte, 3,5 Rebounds und 4,4 Assists pro Spiel. Mit diesen außergewöhnlichen Statistiken führte er seine „Mountaineers“ in die Runde der letzten 16 Mannschaften.
Eine gute Spielübersicht und eine schnelle Auffassungsgabe gehören zu seinen Stärken auf dem Spielfeld. Mit 197cm ist er für einen Guard relativ groß – verfügt aber dennoch über eine hervorragende Ballbehandlung. Zudem besitzt er, wie man so schön sagt, eine lockeres „Händchen“ aus dem Feld.
Erste Erfahrungen auf internationalem Parkett hat er in der A2-Nationalmannschaft sammeln können. Bei der Universiade 2003 in Süd-Korea war er mit 9,4 Punkten und 4,9 Rebounds pro Spiel einer der Besten im deutschen Team.
Auch Bundestrainer Dirk Bauermann ist das Talent und die Entwicklung des jungen Mannes aus Darmstadt nicht verborgen geblieben, und so gehörte Joe Herber im Sommer 2005 erstmals zum Aufgebot der A-Nationalmannschaft und machte seine Sache in 22 Länderspielen sehr ordentlich. Mit seinen konstanten Leistungen in der Spielzeit 2005/06 hatte sich Herber einen Platz im Kader für die WM 2006 gesichert.
Beim Turnier in Japan war er eine der positiven Überraschungen. Seine Rolle als Back-Up bewältigte er sehr gut und konnte dabei vor allem aus der Distanz immer wieder Akzente im deutschen Angriffsspiel setzen. Im Durchschnitt kam er auf 4 Punkte pro Partie.
Nach der WM 2006 unterschrieb Herber einen Zweijahres-Vertrag bei Vizemeister ALBA Berlin. In der ersten Saison gewann "Joe Herber" mit ALBA den Pokal. In der abgelaufenen BBL-Saison schied das Team um Trainer Henrik Rödl überraschend früh bereits im Viertelfinale gegen die Artland Dragons aus.
Bei der EM 2007 in Spanien hat sich Johannes Herber vor allem durch seine sensationelle Leistung im entscheidenen Zwischenrundenspiel gegen Italien in die Herzen seiner Mitspieler und Fans gespielt. Der von den Medien zurecht bezeichnete "Held" trug mit 15 Punkten erheblich zum Einzug in das Viertelfinale bei.
Inzwischen kommt er auf 56 Länderspiel-Einsätze mit einem Durchschnitt von 3,3 Punkten.
Durch die guten Leistungen bei der Europameisterschaft beflügelt fieberte Johannes Herber dem Saisonstart der BBL entgegen. Doch bereits vor dem Start der Saison zog sich Herber im Training einen Kreuzbandriss zu und sah sich mit einer Zwangspause von einem halben Jahr in dem Spielbetrieb bei Alba Berlin konfrontiert. Doch die zahlreichen Stunden bei der Physiotherapie, im Kraftraum und in den Trainingshallen haben sich ausgezahlt: Ende April stand Herber erstmals wieder im Kader des BBL-Spitzenreiters. In der zweiten Ausgabe des DBB-Journals verriet Johannes Herber, dass er hofft, in der Finalrunde als Joker für die Albatrosse das Zünglein an der Waage zu sein. Doch eine weitere Knieverletzung stoppte Joe Herber und es blieb in der BBL-Saison 2007/2008 lediglich bei einem Kurzeinsatz (gegen Braunschweig).
Das Sommerporgramm der Nationalmannschaft musste Johannes Herber absagen. DBB-Bundestrainer Bauermann stellte die große Bedeutung Herbers für die Nationalmannschaft heraus und hofft, dass der Leistungsträger seine Verletzung vollständig auskurieren kann. Nach nach einer frustrierenden Saison bei ALBA Berlin - Herber spielte nur wenig und machte im Schnitt 2,14 Punkte, 0,43 Rebounds und 0.8 Assists - kam der Guard voller Motivation zur Nationalmannschaft. Der Schock folgte nach einigen Tagen im Trainingslager in Leverkusen, als er sich einen erneuten Kreuzbandriss zuzog und nun wieder mindestens fünf Monate lang ausfallen wird.
Stand: 11.08.2008