Spielerporträts
Denis Wucherer:
Ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft
Videos: Denis Wucherer im Interview und in AktionDenis Wucherer, Nationalspieler, stand in den Jahren 2000 bis 2002 in Diensten der Varese Roosters in der 1. italienischen Liga. Dort hatte er eine unbefriedigende Saison hinter sich und wollte seinem Verein den Rücken kehren. Sein Klub war vom Abstieg bedroht, die Kritik an Trainer und Spielern von Seiten des Vorstandes nahm täglich zu. Wie immer in diesem Fall stehen zuerst die ausländischen Akteure eines Teams im Kreuzfeuer der Kritik, so auch beim damals 27-jährigen Shooting-Guard. Gelegenheit, die Zweifler zum Schweigen zu bringen, bekam er nicht. Wucherer: "Wenn ich schlecht gespielt hätte, hätte ich das ja verstanden. Aber ich habe keine Chance bekommen!"
Rettung brachten in dieser Situation die Vareser Fans. Als der Deutsche nicht mehr eingesetzt wurde, begann die Fankurve lautstark seinen Einsatz zu fordern, bald stimmte die ganze Halle mit ein. Wucherer wurde eingewechselt, spielte hervorragend und erzielte in 31 Minuten 15 Punkte. Auch die Vereinsführung musste sich dem Druck der Anhängerschar beugen - der Guard blieb und spielte. Den "krönenden" Abschluss einer verkorksten Saison bildete aber schließlich ein Bänderriss, der Wucherer bis zum Saisonende auf die Tribüne verbannte.
Die Verletzung verheilte, und der Wunsch auf ein Comeback im Nationalteam wurde erfüllt: "Da möchte ich unbedingt dabei sein. Ich sehne mich danach, wieder in einer richtigen Mannschaft mit Spaß Basketball zu spielen und Erfolg zu haben." Und Erfolg zu haben, daran ist Denis Wucherer seit dem Beginn seiner Basketball-Karriere gewöhnt.
Diese startete der gebürtige Mainzer (07.05.73) zunächst beim TV Oppenheim. Entscheidendes Rüstzeug konnte sich Wucherer in den Jahren 1991-92 besorgen, als er für ein Jahr in der Basketballschule der Lincoln-Park-Academy in Florida trainierte. Nach Deutschland zurück gekehrt, gehörte er schon mit 18 Jahren dem Erstligakader des TV Langen an. Zudem glänzte er im August 1991 bei der EM-Qualifikation der Junioren in Bulgarien als Topscorer und als einer der herausragenden Akteure im DBB-Team. Mittlerweile war auch der Leverkusener Meistertrainer Dirk Bauermann auf den Allrounder aufmerksam geworden und holte ihn 1992 in die Basketballhochburg am Rhein. Hier allerdings verzögerte sich der Durchbruch des Talentes durch einen Mittelfußbruch im Sommer 1993 und eine anschließende schwere Angina um ein Jahr.
In der folgenden Saison rückte Wucherer durch den Weggang von Moritz Kleine-Brockhoff zum sechsten Mann im Team auf und bekam mehr Spielzeit. Schon bald gehörte er zu den Leverkusener Leistungsträgern, was auch in der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft beim 3:0 über ALBA Berlin und dem Pokalsieg im gleichen Jahr deutlich wurde. Insgesamt konnte Denis Wucherer mit der Werksmannschaft vier Deutsche Meisterschaften (1993, 1994, 1995, 1996) sowie zwei Pokalsiege (1993, 1995) feiern. Zudem war man in jeder Spielzeit in den europäischen Wettbewerben vertreten.
Nach Ablauf seines Vertrages in Leverkusen im August 1998 schließlich erfolgte der Wechsel Wucherers zum italienischen Rekordmeister Sony Mailand und ein Jahr später zu den Varese Roosters. Hier erlebte Wucherer einen weiteren Karrierehöhepunkt: Als italienischer Meister nahm Varese an der McDonalds Open Championship teil, wo es zum Aufeinandertreffen mit dem NBA-Champ San Antonio Spurs kam. Letztendlich unterlag man zwar deutlich, aber mit 14 Punkten lieferte Wucherer eine exzellente Vorstellung ab. Auch hier konnte er sich auf seine Qualitäten verlassen: Knallharte Defense und ein sicherer Distanzwurf, gepaart mit ausgeprägter Athletik und einem starken Zug zum Korb. Diese Waffen und seine Erfahrung aus mittlerweile 123 Einsätzen im Nationaldress (7 Punkte pro Partie) halfen der Mannschaft in der EM-Qualifikation weiter.
Denn Denis Wucherer hat sich nach der "Seuchensaison" in Italien in Deutschland wieder etabliert. Er wechselte zur Saison 2002/2003 zurück in die Heimat und erhielt kurzfristige Engagements in Würzburg und Frankfurt. In der Saison 2003/2004 hat sich der mittlerweile 32-jährige Wucherer bei Bayer Giants Leverkusen zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. Er stand für die "Riesen vom Rhein" durchschnittlich 34,9 Minuten auf dem Parkett und war mit 20 Punkten im Schnitt fünftbester Scorer der gesamten BBL. Ebenso war er noch bester Assistgeber (4,7) und zweitbester Rebounder (5,1) seines Teams. Trotz der Erstrunden-Niederlage in den Play-Offs gegen Berlin, war es für Wucherer persönlich eine sehr erfolgreiche Saison. Er avancierte zum effektivsten Spieler der BBL mit einem Quotient von 20 inklusive zweier aufeinander folgender Triple Double - einzigartig in der Historie der Liga!
Auch in der Saison 2004/05, die für die Giants mit dem Nichterreichen der Play-Offs zu einer absoluten Enttäuschung wurde, war Wucherer wieder bester Korbjäger seiner Mannschaft. Zwar konnte er seinen Punkteschnitt aus dem Vorjahr mit 16 nicht mehr ganz bestätigen, dennoch zählt er weiterhin zu den korbgefährlichsten Spielern der Liga.
Im Nationalteam bot er eine glänzende Vorstellung bei den erfolgreichen EM-Qualifikationsspielen im Sommer 2004. Bei der Europameisterschaft 2005 in Serbien und Montenegro erzielte Dennis Wucherer im Durchschnitt 2,9 Punkte und gehört zu den gefeierten SIlbermedaillengewinnern von Belgrad. Sein bestes EM-Spiel zeigte er im dramatischen Halbfinale gegen Spanien und hatte nicht zuletzt damit einen großen Anteil am Erfolg. Seit der Saison 2005/2006 ist Denis Wucherer beim belgischen Spitzenklub Telindus Oostende am Ball.
Seine Erfolgsserie setzt sich auch in Belgien fort. Oostende wird Meister und Wucherer markiert in 35 Spielen neun Punkte im Schnitt und greift sich an jedem Spieltag etwa drei Rebounds. Das Wucherer nicht nur dabei ist, sondern eine Schlüsselrolle eingenommen hat, ist auch an seiner Spielzeit zu erkennen. Etwa 27 Minuten wirbelt er über das Feld und steht damit nur zwei Minuten weniger auf dem Court als der Topscorer der Belgier.
Während der Vorbereitung auf die WM 2006 hat Denis Wucherer bei einem Trainingslager auf Mallorca überraschend seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft erklärt. Eine körperlich zu starke Belastung veranlasste ihn zu diesem Schritt.Denis Wucherer trug 123 Mal das Nationaltrikot und hat dabei 856 Punkte (7 Punkte/Spiel) erzielt.
Stand: 08.08.2006