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Spielerporträts


Marko Pesic:
Immer mit viel Herz dabei

Marko Pesic (geb. 06.12.1976), Sohn der Trainerlegende Svetislav Pesic, hat mit seinen 28 Jahren schon einige Länderspiele auf dem Buckel. Genauer gesagt kann er auf 97 Einsätze im Nationaltrikot zurückblicken (6,5 Punkte pro Spiel). Bei dem vierten Platz bei der EM 2001 war er mit 10,3 Punkten pro Spiel einer der Leistungsträger im DBB-Team, obwohl er bei allen großen internationalen Turnieren der letzten Jahre zuvor auf Grund von Verletzungen passen musste.

Dabei ist Pesic genau der Spielertyp, den der damalige Bundestrainer Hendrik Dettmann auf der Shooting Guard-Position suchte: Pesic ist sehr treffsicher aus der Distanz und mit gutem Zug zum Korb ausgestattet, wie man bei der EM und in der abgelaufenen Bundesligasaison eindrucksvoll sehen konnte. Außerdem spielt der Linkshänder bissig in der Defense und ist durch viele internationale Einsätze auf Vereinsebene erfahren und abgebrüht.

Dies konnte er bei der Weltmeisterschaft 2002 eindrucksvoll unter Beweis stellen: er war mit großem Einsatz dabei und entwickelte sich im Laufe des Turniers zum "Herz" der Mannschaft. Er kam als "Sechster Mann" von der Bank, konnte aber dann in fast jedem Spiel entscheidende Impulse setzen und Verantwortung übernehmen. Mit 9,1 Punkten pro Spiel (insgesamt 226 Punkte), 32 Assists und 20 Rebounds war er einer der Leistungsträger des deutschen Teams. Auch bei der Europameisterschaft 2003 in Schweden spielte er eine entscheidene Rolle bei den Deutschen. In vier Spielen erzielte der korbgefährliche Pesic knapp 8 Punkte, 9 Rebounds und 8 Assists.
Im Sommer 2004 erteilte er Bundestrainer Dirk Bauermann eine Absage bezüglich des EM-Qualifikation, da er seinem Körper eine Ruhepause gönnen wollte. Im September wird Bauermann bei der Europameisterschaft aber wieder auf Pesic setzen können.

Aufgewachsen in Sarajevo, zog Marko Pesic mit seiner Familie - Vater Svetislav hatte gerade als DBB-Nationaltrainer unterschrieben - 1987 nach Hagen, wo er 1992 bei Brandt Hagen seine Basketballkarriere begann. Nächste Station war die Nachwuchsschmiede des Zweitligisten TUS Lichterfelde-Berlin, mit der Pesic 1994 die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gewann. Noch im gleichen Jahr wechselte der mittlerweile 1,97 Meter große Aufbau/Flügel in die USA an die High Point High School, wo er, so sein Vater, "Erfahrungen als Mensch und natürlich als Sportler sammeln!" sollte. Er sammelte aber auch weiter Titel, im Jahre 1995 nämlich die Maryland State Championship mit seinen "Eagles".

Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, trug er 1996 maßgeblich zum Aufstiegsplatz von Lichterfelde für die 1. Bundesliga bei, den der Verein aber nicht in Anspruch nahm. Im April desselben Jahres wurde ihm auch eine besondere Ehre zuteil: Mit einer Junioren-Weltauswahl trat Pesic in Charlotte gegen ein All-Star-Team der besten High-School-Spieler an. Im Sommer erfolgte schließlich der Wechsel zum Spitzenklub ALBA Berlin, wo sein Vater mittlerweile als Trainer fungierte. Die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn klappte zwar nicht immer ganz reibungslos, aber nach drei Jahren in der Hauptstadt konnte die Bilanz nicht positiver ausfallen: Drei deutsche Meistertitel und ein Pokalsieg standen auf der Habenseite des Pesic-Teams. Zudem hatte er sich zu einem Spieler von europäischen Format entwickelt, was sich in zahlreichen Vertragsangeboten aus den europäischen Topligen widerspiegelte.

Dem Ruf des großen Geldes aus Südeuropa konnte sich schließlich auch Pesic nicht entziehen, und so wechselte er zu Beginn der Saison 1999/2000 zu BC Iraklis Thessaloniki in die 1. griechische Liga. Nach einem starken Saisonauftakt hatte Pesic allerdings mit langwierigen Verletzungen und starker amerikanischer Konkurrenz auf seinen Positionen zu kämpfen, wodurch die Spielzeit für ihn persönlich nicht zufriedenstellend verlief. Schließlich meldete sich erneut das Management von ALBA Berlin bei Pesic, wo mittlerweile sein ehemaliger Trainer vom TUS Lichterfelde, Emir Mutapcic, auf der Trainerbank das Kommando übernommen hatte. So entschied er sich, zurück an die Spree zu kehren, wo ihm ein Platz als Starter beim Europaligisten sicher war. Dieses Vertrauen rechtfertigte er mit einer starken Saison 2000/01, in der das Team erst im Supro-League-Viertelfinale von Panathinaikos Athen gestoppt werden konnte und auch in der nationalen Meisterschaft (Pesic: 12,2 Pkt und 3,5 Ass/Spiel) der Titel erfolgreich verteidigt wurde.

Das Verletzungspech von Marco Pesic nahm aber kein Ende. Denn auch bei der Vorbereitung zur EM in der Türkei zog er sich im ersten Testspiel gegen Jugoslawien (wo Papa Pesic mittlerweile Nationaltrainer war) einen Bänderriss zu, der seine EM-Teilnahme in Frage stellte. Erst eine Woche vor Beginn der Titelkämpfe wurde ihm vom behandelnden Arzt das OK gegeben.
Aus dem Team der Albatrosse war Pesic nicht mehr wegzudenken: In der Saison 2001/02 kam der Shooting-Guard auf beeindruckende Statistiken (13,5 Punkte, 3,4 Ass./Spiel). Insbesondere in wichtigen Begegnungen läuft der 28-Jährige immer wieder zur Topform auf, erinnert sei hier an das zweite Play-off-Finale, als Marko Pesic mit 26 Punkten und einer 80-prozentigen Trefferquote Rhein Energie Cologne, das damalige Team seines Vaters, fast im Alleingang besiegte.In der Saison 2002/03 wurde Pesic mit Alba ein weiteres mal Meister. Obwohl er sich kurz vor den Play-offs die rechte Hand gebrochen hatte, kehrte er bereits wenige Wochen später gegen Braunschweig im entscheidenden fünften Halbfinalspiel zurück aufs Parkett und verwandelte aus acht Metern Entfernung den spielentscheidenden Dreier. Solche Momente liebt Pesic.

Die Saison 2003/2004 lief hingegen nicht so erfolgreich für ihn und sein Team. In den 28,5 Minuten, die er auf dem Feld stand, kam er auf 10,2 Punkte und 3,3 Assists. Auch in den Play-Offs fand er nicht so richtig zu seinem Spiel, ebenso wie die gesamte Berliner Mannschaft. Nach sieben Meisterschaften in Folge schieden die Albatrosse bereits im Halbfinale aus. Da Alba für die kommende Saison einen personellen Umbruch plant, wurde auch der Vertrag von Marko Pesic nicht verlängert. Marco Pesic unterschrieb einen Vertrag an der alten Wirkungsstätte seines Vaters: bei Rhein Energie Köln. Seine Auftaktsaison im Rheinland war ein voller Erfolg: Mit durchschnittlich 11,3 Punkten erwies sich Marco Pesic nicht nur treffsicher, seine 385 erzielten Punkte ließen ihn auch direkt zum viertbesten Korbjäger des Teams aufsteigen. Ferner durfte er mit seinen Mannschaftskollegen den Pokalsieg feiern, musste aber auch das schnelle Play-Off-Aus verkraften.

Für die Saison 2005/06 folgte Pesic seinem Vater nach Italien. In dem Serie A Club Lottomatica Virtus Roma wollte Marco eigentlich nur wenige Spielanteile übernehmen, rückte aber durch verletzungsbedingte Ausfälle in den Kader. Erst im Halbfinale musste sich sein Team in Spiel vier, knapp Bennetton TV geschlagen geben.

Bei der Europameisterschaft in Serbien und Montenegro erzielte Marco Pesic 3,6 Punkte im Durchschnitt und konnte vor allem im Halbfinale gegen Spanien einen guten Beitrag für den Erfolg der deutschen Mannschaft leisten. Der Gewinn der Silbermedaille zählt zweifelsohne zu seinen größten sportlichen Erfolgen und ist gleichzeitig sein letzter im Dress der Nationalmannschaft. Kurz nach seiner Nominierung für den Kader zur WM 2006 in Japan, verkündete Pesic seinen endgültigen Rücktritt aus der deutschen Auswahl.

Stand: 30.06.2006