Spielerporträts
Stefano Garris:
In der Abwehr eine Bank
Die BBL-Finals 2001 bedeuteten für Stefano Garris (geb. 21.04.1979), ALBA Berlins damaligen Youngster auf der Flügelposition, den Durchbruch in Deutschlands Eliteliga. Fast acht Punkte erzielte Garris durchschnittlich in den drei Partien gegen die Telekom Baskets Bonn. Noch beeindruckender war allerdings die "Abgezocktheit", mit der der mittlerweile 27-Jährige zu Werke ging. Durch die Verletzungen von Jörg Lütcke und Marko Pesic mit viel Spielzeit bedacht, rechtfertigte er das Vertrauen von Coach Emir Mutapcic und gab dem Team in Angriff wie Verteidigung wichtige Impulse.
Mit "Nino" Garris hat ein weiterer Akteur aus der Nachwuchsschmiede des ALBA-Kooperationspartners und Zweitligisten TuS Lichterfelde den Sprung auf die große Basketball-Bühne geschafft. Nachdem auch der ehemalige Nationaltrainer Henrik Dettmann auf den jungen Athleten aufmerksam geworden war, berief er Garris in den erweiterten Nationalkader zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2001 in der Türkei. Dort nahm er wegen der Verletzung vieler Spieler auch aktiv teil und rechtfertigte seinen Einsatz mit guten Spielen und hoher Einsatzbereitschaft. Er steuerte 5,6 Punkte pro Spiel zum vierten Platz der Nationalmannschaft bei.
Immer wieder setzte er sich spektakulär in Szene und überzeugte besonders als knallharter Verteidiger gegen europäische Topstars wie Ibrahim Kutluay (Türkei) oder Laurent Foirest (Frankreich). Bei der Weltmeisterschaft 2002 hingegen konnte sich "Nino" nicht so stark in den Vordergrund spielen. Er fand nach einem überragenden Auftaktspiel gegen China anschließend seinen Rhythmus nicht mehr (38 Punkte in neun Spielen). Insgesamt hat "Nino" Garris 70 Länderspiele absolviert und dabei 440 Punkte erzielt (Schnitt 6,3).
Dabei sah es zuerst gar nicht danach aus, als ob Garris Basketballer werden würde. Zwar jagte er bereits als Kind einem Leder hinterher, rund war das Sportgerät auch - allerdings schwarz-weiß gemustert statt orangefarben. Beim Fußballverein SC Grün-Weiß Paderborn war der Sohn einer Italienerin und eines US-Soldaten Stürmer und schoss Tor um Tor. Wenn der Vater mit seinen Freunden Basketball spielte, "habe ich als Knirps ein bisschen zugeschaut und dann mit meinem Zwillingsbruder in einer Ecke Fußball gespielt", erinnert sich Garris.
Als die Familie dann für drei Jahre nach North Carolina zog, blieb dem Schüler allerdings nichts anderes übrig, als zum Basketball zu wechseln. Mangels öffentlichen Fußballplätzen gab es keine Möglichkeit, in der Freizeit auf Torjagd zu gehen. Stattdessen hingen aber überall "diese Körbe" rum. Garris musste mit seinen Freunden Streetball spielen - und war begeistert. Zurück in Deutschland dauerte es allerdings noch bis zu Garris´ vierzehntem Lebensjahr, ehe er sich von einem Trainer, der sein Talent erkannt hatte, endgültig zum Basketball überreden ließ.
Nach mehreren Jahren in der Paderborner Basketball-Jugend und einer Spielzeit im Zweitligateam des ostwestfälischen Vereins zog es Nino Garris 1998 nach Berlin. Hier hatte der Forward die Möglichkeit, mit einer Doppellizenz für den TuS Lichterfelde in der zweiten und dessen Kooperationspartner ALBA Berlin in der ersten Bundesliga zu starten. Zu Anfang allerdings lief es in der neuen Heimat gar nicht gut, denn Garris musste auf Grund einer Kopfverletzung fünf Monate pausieren. Nach seiner Genesung aber kämpfte er sich wieder heran und hatte 1999 seinen ersten großen Auftritt im ALBA-Dress, als Svetislav Pesic ihn überraschend gegen den europäischen Champion Panathinaikos Athen einsetzte. Er erzielte einen wichtigen Dreier, der mitentscheidend für den sensationellen Berliner Sieg war.
In der Saison 2000/2001 kam Garris häufig bei ALBA zum Einsatz und konnte seine Leistungen stabilisieren. Zudem war er im Trikot von Lichterfelde einer der Leistungsträger, der die jüngeren Akteure führen musste. "Das war eine neue Erfahrung", so Garris.
In der Saison 2001/2002 spielte Nino Garris nur noch für ALBA Berlin in der BBL und der Europaliga. Er gewann mit seinem Club das Double aus Meisterschaft und Pokal. Früh in der Saison fiel Garris wochenlang wegen Verletzung aus und fand erst spät den Anschluss. Im gerade auf seiner Position dicht besetzten Kader des Deutschen Meisters konnte er sich nur schwer behaupten und musste mit durchschnittlich knapp zwölf Minuten Spielzeit zufrieden sein (insgesamt 27 Spiele, 3,8 Punkte und 1,6 Rebounds im Schnitt).
Dennoch baute der ehemalige Bundestrainer Henrik Dettmann auf den damals 23-Jährigen, dem u.a. von einigen NBA-Scouts viel Perspektive bescheinigt wurde. Nach der Weltmeisterschaft, die für "Nino" nicht optimal gelaufen ist, fand er aber wieder zurück zu alter Stärke. Bei der Europameisterschaft 2003 in Schweden zeigte er eine solide Leistung mit insgesamt 24 Punkten und 15 Rebounds. In der Saison 2002/03 wurde Nino erneut mit ALBA Berlin Meister. Auch im letzten Jahr war er mit ALBA auf gutem Wege den Titel zu verteidigen und entwickelte sich dabei zum echten Leistungsträger bei den Berlinern. In 22,1 Minuten erzielte er 9,7 Punkte, 2,4 Rebounds und 1,4 Assists. Aber erstmals durfte er, seit er in der Bundesliga spielt, am Ende einer Saison nicht den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Bereits im Halbfinale war gegen GHP Bamberg Schluss. Auch in der Folgesaison ging Garris mit Berlin leer aus: Keinen Titel gewann die Albatrosse in dieser Spielzeit. Seine persönliche Spielstärke konnte er in seiner mittlerweile siebten Saison in der Hauptstadt aber verbessern. „Nino“ Garris war mit 59 Dreiern bester Schütze seines Teams. Sein Gesamtpunkteresultat verbesserte er auf durchschnittlich 11,1.
Im Sommer 2005 trennten sich aber die Wege von Stefano Garris und Alba Berlin: Garris verzichtete auf eine Vertragsverlängerung, da er, wie er sagte, nun etwas "Neues" erleben möchte. Was dieses "Neue" ist, hielt Garris nicht lange geheim: Der 26-Jährige unterschrieb im Juli einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Deutsche Bank Skyliners Frankfurt.
Im Sommer 2004 zählte Nino Garris auch unter dem neuen Bundestrainer Dirk Bauermann zur deutschen Starting Five und bestach durch seine gewohnten Qualitäten: Seine Verteidigung war gut und er erzielte wichtige Distanztreffer.
Bei der EM 2005 in Serbien und Montenegro musste er verletzungsbedingt pausieren. Seine Genesung vollzog er bei den Skyliners, bei denen er mit Nationalmannschaftskollege Pascal Roller auf Korbjagd ging. Auch auf eine Teilnahme bei der WM 2006 verzichtete Garris, da er seinen Genesungsprozess noch nicht vollständig abgeschlossen hatte und in der Bundesliga-Saison 2006/2007 wieder mit voller Kraft angreifen wollte.
Nachdem Garris nicht im Kader der DBB-Auswahl für die Europameisterschaft 2007 in Spanien stand, will er in der kommenden Saison wieder mit den Opel Skyliners wieder angreifen. Chancen dazu bieten sich nicht auf in der BBL, sondern auch im ULEB Cup.
Stand: 13.11.2007