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Linda Fröhlich


Korbjägerin macht ihrem Namen alle Ehre

Nach dem langsamen Rückzug von Marlies Askamp aus dem Spitzensport rückte Linda Fröhlich zu ihrer legitimen Nachfolgerin als Deutschlands Basketballerin Nummer 1 auf. Die hochtalentierte gebürtige Pforzheimerin führte nicht nur 1996 die deutschen Nachwuchsspielerinnen nach siebenjähriger Pause wieder zur Junioren-Europameisterschaft, sondern sorgte einige Zeit später auch im Mutterland des Basketballs mehrfach für positive Schlagzeilen. Im Collegeteam der University of Nevada in Las Vegas entwickelte sie sich zur zentralen Figur und wurde in ihrer Conference im Jahr 2000 (21,6 Punkte, 11,4 Rebounds, 4,0 Assists, 3,21 Steals im Schnitt) erstmals zur Spielerin des Jahres gewählt. Auch in den beiden darauffolgenden Spielzeiten wurde sie mit dieser Auszeichnung bedacht. Im Sommer 2002 schaffte sie dann den Sprung in die Profiliga WNBA, wo sie anschließend mit den New York Liberty sogar das Finale erreichte.

Linda Fröhlich, geboren am 23. Juni 1979, liegt das Basketball-Spielen praktisch im Blut. Ihre Mutter Vinetta stammt aus Lettland und war in den 70er Jahren mehrfach sowjetische Nationalspielerin. Mit zwölf Jahren begann Linda auf Vereinsebene beim TSV Lamstedt zu spielen und entwickelte sich schnell zu einer vielseitigen Spielerin, die zeitweise beim VfL Stade sogar mit der männlichen B-Jugend trainierte und spielte.

Die junge Norddeutsche fiel immer häufiger nicht nur durch ihre für ihr Alter beachtliche Größe von nahezu 1,80 m (mittlerweile 1,87 m) auf, sondern bestach vor allem durch ihre spielerischen Qualitäten. Nach dem Gewinn der Regionalligameisterschaft mit den TSV Damen im Jahr 1994 folgte ein Jahr später nicht nur der Wechsel in die 2. Bundesliga zum SC Rist Wedel, sondern auch bereits die ersten internationalen Einsätze. Zunächst schaffte sie als B-Jugendliche mit den älteren Juniorinnen die Qualifikation zur Europameisterschaft 1996, ehe sie im Rahmen der Kadettinnen- EM mit dem deutschen Nachwuchsteam den neunten Platz belegte.

Neben ihrer steilen sportlichen Karriere vernachlässigte Linda Fröhlich die schulische Ausbildung keineswegs. Nachdem die in ihrer Abiturzeit zur „Riesin des Jahrgangs“ gewählte Linda Fröhlich im Herbst 1998 an die amerikanische Universität wechselte, begann sie Psychologie und Marketing zu studieren. Trotz ihrer großen Erfolge mit ihren „Lady Rebels“ und der wenigen Freizeit, in der sie gern mal ihrem Namen alle Ehre macht, gelang es ihr im Frühjahr 2002, beide Studien als eine der besten Akademikerinnen unter den Sportlern abzuschließen. Auch nach ihrer Zeit in Las Vegas ist Linda Fröhlich an ihrer damaligen Universität immer noch gegenwärtig. Sie ist dort Rekordhalterin in Punkten und Rebounds, folglich wurde ihr Jersey mit der Nummer 13 „retired“.

Ihr Debüt in der Nationalmannschaft gab die Gospel- und Oldieliebhaberin im April 1998 gegen Finnland. Für das WM-Aufgebot im gleichen Jahr fand sie jedoch wegen fehlender internationaler Erfahrung keine Berücksichtigung. Mittlerweile hat die 1,88m große Linda Fröhlich 65 Länderspiele mit durchschnittlich 13 Punkten absolviert (Stand Mai 2010). Im Jahr 2003 kam sie zu keinem Einsatz in der Nationalmannschaft, da sie mit ihrem alten Verein, New York Liberty, mitten in der Saison (8,2 Minuten, 3,2 Punkte, 1,4 Rebounds) steckte. Im Mai war die auf der Flügel- und Centerposition einsetzbare Fröhlich dreimal beste Rebounderin ihres Teams.

Die Saison 2003/2004 spielte die 24-jährige Linda Fröhlich für den italienischen Erstligisten Banca Popolare DEL Trentino Rovereto sehr erfolgreich. Mit 11,9 Punkten und 7,9 Rebounds hatte sie entscheidenden Anteil am Erfolg ihres Teams. Ihren Vertrag in Rovereto verlängerte sie daraufhin prompt und konnte auch in der Saison 04/05 alle Erwartungen erfüllen. Mit durchschnittlich 18,3 Punkten verbesserte sie nicht nur ihren persönlichen Schnitt aus dem Vorjahr, sondern avancierte auch zur erfolgreichsten Korbjägerin in der italienischen Liga. Kleiner Wermutstropfen: Linda Fröhlich und ihr Team schafften die Play-Off-Qualifikation nicht. Doch trotz ihrer vielen Erfolge und Auszeichnungen im Ausland will die ehrgeizige Basketballerin irgendwann wieder in Deutschland spielen...

Im deutschen Team gilt Linda Fröhlich als herausragende Spielerin: Im Herbst 2004 war sie bei der erfolgreichen Qualifikation zur Europameisterschaft mit 23,3 Punkten und 11,2 Rebounds im Schnitt die erfolgreichste Spielerin aller teilnehmenden Mannschaften. Bei der EM 2005 in der Türkei konnten auch die 16,4 Punkte und 9 Rebounds im Schnitt den deutschen 11. Platz nicht verhindern. Anschließend wechselte Linda Fröhlich zum russischen Spitzenklub Spartak Moskau, wo sie neben der mehrfachen Olympiasiegerin, Weltmeisterin und WNBA-Champion Lisa Leslie eine glänzende Rolle spielte. So glänzend, dass sie mit ihrem Team den EuroCup Women 2006 gewann. In den beiden Finalspielen setzte Spartak Moskau sich gegen das südfranzösische Team Pays D’Aix durch. Nachdem die Moskowiter im ersten Finalspiel auswärts noch deutlich mit 80:65 gewonnen hatten, musste der 72:66-Erfolg vor heimischem Publikum hart erkämpft werden. Nach einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen (21:25;18:12;15:14,18:15) beider Mannschaften war es wieder die überragende Lisa Leslie, die die entscheidenden Würfe zum Sieg in den Schlussminuten traf. Mit 20 Punkten und zehn Rebounds dominierte sie das Spiel. Linda Fröhlich war mit 16 Punkten und neun Rebounds zweitbeste Akteurin Moskaus.

Zur neuen Saison 2006/2007 nahm Fröhlich ein Angebot von Fenerbahce Istanbul an und auch dort, bei einem absoluten Topverein in Europa, nimmt sie eine tragende Rolle ein. Durchschnittlich kommt sie auf fast 10 Punkte und 6,3 Rebounds pro Spiel. Mir ihrem Team erreichte sie das Viertelfinale der Euroleague-Play-Offs gegen den spanischen Spitzenclub Ros Casares Valencia.

Bei der Europameisterschaft 2007 in Italien stellte Linda Fröhlich erneut unter Beweis, wie wichtig sie für die deutsche Damennationalmannschaft ist. Dennoch konnte sie den unglücklichen Turnierverlauf, den das DBB-Team auf Platz 11 beendete, nicht verhindern.

Nach der Saison 2007/2008 in Italien bei den Cras Basket Taranto hatte Linda Fröhlich erhebliche Probleme mit dem Gleichgewichtssinn, der einen Einsatz bei der EM-Qualifikation unmöglich machte. Zur Saison 2008/2009 wechselte Fröhlich in die Slowakische Republik zu Maxima Broker Kosice und überzeugte dort in der slowakischen Liga sowie in der Euroleague. Zum Jahresende 2008 endete der Vertrag in Kosice. Im Janaur 2009 gab Linda Fröhlich ihren Wechsel zu Gambrinus Sika Brno (Tschechien) bekannt. Nach einem weiteren Abstecher nach Kosice wechselte sie in die rumänische Liga zu Municipal MCM Targoviste. Dort feierte sie unlängst den Gewinn der rumänischen Meisterschaft.

Für die Qualifikationsrunde zur Europameisterschaft 2011 in Polen steht Linda Fröhlich wieder im Kader der DBB-Damen. Bereits in den ersten Testspielen des Sommers untermauerte sie ihre immense Bedeutung für die deutsche Damen-Nationalmannschaft.

Stand: 28.07.2010