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Tagebuch zur Europameisterschafts-Qualifikation


DBB-Nationalspielerin Katja Bavendam berichtet exklusiv aus dem Quatier der DBB-Damen

Aktuellster Eintrag: 31. August 2010- Bitte nach unten scrollen!


Samstag, 31. Juli 2010


Best Western Hotel Mettmann, 6 Uhr 50. Ein Klopfen reißt mich aus meinen Träumen. "Och nö, bitte nicht verschlafen" schießt es mir durch den Kopf. Oder doch eine militärisch angehauchte Strafmaßnahme nach der Niederlage in Holland?!

Nein, es kommt noch schlimmer: Dopingkontrolle!! Nach einem freundlichen "NADA, mitkommen und Ausweis mitbringen!" und einem schlaftrunkenen Stolpern auf den Gang ist klar, dass nur wenige verschont wurden. Und so sitzen wir zu zehnt in einem Seminarraum, fragen uns ob die das überhaupt so früh dürfen und streiten uns darum wer das schönste Knautschgesicht in Kombination mit der wildesten Morgen-Frise hat. So füllen sich nach und nach die Becher während sich die Stühle leeren. Als schließlich die Ersten noch ein wenig wohlverdienten Schlaf nachholen, zeichnet sich ab, dass Geburtstagskind Katharina Fikiel wohl die Letzte sein wird. Na dann mal Happy Birthday! Statt Torte eine NADA-Eskorte zum Frühstück, ist doch auch nicht schlecht...

Ansonsten ist es hier in Mettmann durchaus schön. Und spätestens nach dem Empfang beim Bürgermeister ist allen klar: Wir sind in der Neandertal-Stadt. Hier gibt es nicht nur ein weltberühmtes Museum zu Ehren unserer Vorfahren, sondern auch ein kompetentes und hoch motiviertes Veranstalter-Team. So lag der Parkettboden natürlich pünktlich zur ersten Trainingseinheit in der Halle und wir können uns nun standesgemäß und hoffentlich ohne weitere böse Überraschungen in den Morgenstunden auf das Heimspiel gegen Belgien vorbereiten. Am Samstag wird sich zeigen ob die sensationelle Stimmung, die in Borken herrschte, noch von den Mettmännern und Mettfrauen überboten werden kann.

Bleibt nur noch die Frage ob Neandertaler eigentlich Basketball spielen konnten?


Mittwoch, 4. August 2010

Bananensoße und Formel 1

Mettmann, 8.04 Uhr. Wir sind wieder unterwegs, genauer gesagt sitzen wir im Reisebus Richtung Flughafen Köln. Von dort geht es um 11 Uhr 15 weiter nach Bukarest. NRW-Kenner wissen: Den Flug verpassen wir schon mal nicht! Organisation ist schließlich alles beim DBB.

Die reine Bilanz aus den letzten Spielen ist zwar negativ, wir sind aber trotzdem zuversichtlich, dass wir erfolgreich aus Rumänien zurückkehren werden.

Gut versorgt wurden wir auf jeden Fall, denn nachdem es die Belgierinnen schon auf dem Spielfeld etwas zu gut mit uns meinten, kam es danach beim gemeinsamen Essen zu einer echten Weltpremiere: Nudeln mit Bananensoße! Genauer gesagt Tomatensoße mit Bananen-Scheiben und starkem Bananen-Geschmack. Interessant...

Dass es mit dem Sieg vor diesem kulinarischen Highlight nicht ganz klappte, kann natürlich auch daran liegen, dass uns die Unterstützung von unserem Busfahrer fehlte. Der liebe Jörg fuhr uns zwar sicher und pünktlich auf kurvenreichen Strecken nach Sprimont, verspielte dann aber kurz vor dem Spiel doch noch einige Sympathie-Punkte. Auf die Frage ob er denn gar nicht mit reinkäme um das Spiel anzuschauen antwortete er "Nein, also ich guck doch nicht … (na welche Sportart war es denn noch gleich?!), also es ist ja schließlich auch Formel 1" Also doch lieber Schumis dritten Frühling im Radio verfolgen als ein Basketball Länderspiel live zu sehen...

Mittlerweile ist es 9.19 und wir haben eingecheckt, wobei der erste Großen-Witz des Tages nicht fehlen durfte. - Linda: "Wir sind zwar ein bisschen früh dran aber wir würden gerne schon mal ein kleines Grüppchen einchecken." - Lufthansa Frau (guckt hoch): "Na von klein kann ja wohl keine Rede sein." Schön, dass wir mal drüber geredet haben…


Freitag,  6. August 2010, 22 Uhr Hotel Premiere

Wir haben zwei Spiele hinter uns, die mit Sicherheit in die Basketball-Geschichtsbücher gehören. Ich spreche von knapp 100 Freiwürfen in 2 Spielen, für die rumänische Mannschaft. Respekt! So oft muss man auch erst mal beherzt in die Pfeife blasen können… Das ist aber auch schon das einzige Positive was ich über das Trio der "Unparteiischen" aus mir heraus quälen kann.

Meine einzige Hoffnung auf Wiedergutmachung nach dem Spiel war, dass unser Busfahrer vielleicht doch noch den einen oder anderen Außenspiegel der Schiedsrichter ankratzen würde. Zuzutrauen war es ihm auf jeden Fall, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass er im echten Leben an der Weiterentwicklung des Videospiels Need For Speed mitarbeitet. Es scheint aber allgemein auf den Bukarester Straßen eher ein blindes Verständnis zwischen den Verkehrsteilnehmern als wirkliche Regeln zu geben. So kam es nach unserem Empfinden doch zu erstaunlich wenigen Unfällen.

Dass es diese aber doch gibt, konnte uns Roli bestätigen nachdem sie im Krankenhaus ein wenig mit einem netten jungen Mann mit Halskrause geplaudert hatte. Roli war nämlich keine Laus, sondern eine Rumänin über die Leber gelaufen bzw. deren Knie bei einer unglücklichen Verteidigungsaktion in Karate Kid Manier dort gelandet. So musste Roli einen Ausflug auf der Trage machen und war zum Glück nach kurzer Zeit mit einer Prellung wieder bei uns um von ihren unvergesslichen Erlebnissen im ganz normalen Bukarester Krankenhaus-Wahnsinn zu erzählen.

Ansonsten können wir noch alle zuhause erzählen, dass wir Ja Rule - seines Zeichens US Rapper - getroffen haben. Auch der ließ sich natürlich den Großen-Witz nicht nehmen (Dang, I'm the Shorty here for real), aber der Gute musste ja nun wirklich irgendwie mit seinen Komplexen umgehen.

Donnerstag, 12. August 2010, 17.23 Uhr, Kiew

Aller guten Dinge sind drei sagt der Volksmund. Und zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren darf ich nun einen Stempel vom freundlichen Ukrainer Grenzschutz Personal in meinen Pass drucken lassen. Das muss doch ein gutes Zeichen sein.

Die letzen Ausflüge in die Stadt der dicken Status-Symbol-Autos und Heiratsagenturen waren in Sachen Spiel-Ergebnis eher suboptimal wie der gut informierte Fan des deutschen Damenbasketballs weiß. Die gute Nachricht ist, dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben. Das Schwarzbrot und Müsli sind fester Bestandteil des Reisegepäcks und auch die Reise war entspannter als zuvor.

Bei unserem letzten Besuch war die Luft zu kalt zum Atmen, heute brennt die Sonne bei 35 Grad unerbittlich. Davon merken wir zum Glück in unserem klimatisierten Mercedes-Reisebus noch nicht viel während wir uns durch den Plattenbau-Dschungel zum Hotel Rus vorkämpfen.

In der Halle könnte es heute Abend beim Auftakttraining etwas wärmer werden, aber das kann nach dem Rekord-Juli in Deutschland auch keinen mehr schocken.

Gestern durfte ich bei einer Fernseh-Aufzeichnung zum Thema "lange Menschen" mitmachen und da hat mir der größte Mann Deutschlands versichert, dass wir das schon machen werden mit der Qualifikation.

Außerdem habe ich miterleben können, wie Menschen in kürzester Zeit ihre Phobien verlieren können. Und wenn Ross Antony keine Angst vor Spinnen mehr hat, dann müssen wir auch keine Angst vor Alptraum-Ergebnissen in ukrainischen Hallen mehr haben…


Sonntag, 15. August 2010: International Airport Boryspil, Kiev, 13 Uhr

Wir sitzen mit unserem Sieg nach harter Hitzeschlacht am Flughafen und warten. Warten können wir gut, denn beim DBB überlässt man bekanntermaßen nichts dem Zufall. So waren wir schon fast 2,5 Stunden vor Abflug hier. Die waren dann allerdings fast noch von Nöten als wir wieder mal Talent dafür bewiesen, uns immer in der falschen Schlange anzustellen. Die nette Dame von der Pass-Kontrolle nimmt ihren Job eben auch ziemlich ernst und hat dann auch gerne noch die Gruppe allein reisender Kinder vorgelassen. Wahnsinn! Wenn die Füße noch nicht vom Spiel weh taten, tun sie es jetzt vom Schlange stehen.

Es war aber nicht nur wegen des Spielergebnisses ein durchaus gelungener Trip. Beim ersten Training (wobei auch die Fotos entstanden sind), dass nach langem Reisetag noch recht entspannt verlief, dachte ich dass ich vielleicht doch einen Wellness-Urlaub gebucht habe. "Entspanntes Saunieren bei gefühlten 50 Grad in einer Turn-Halle mit antikem Charme" hätte der Werbetext lauten können. Zum Glück ist unser Physio Paddy ein alter Draufgänger und entwendete kurzerhand einige Handtücher vom Putzfrauen-Wagen im Hotel Flur. Diese wurden dann zerschnitten, auf Eis gelegt und boten uns während Training und Spiel eine willkommene Abkühlung. Beim Check Out wurde unsere Delegation dann doch noch angeklagt, Handtücher geklaut zu haben. Der Verdacht fiel schnell auf unsere Coaches Imre und Harald. Die wollten ihren Frauen, welche zuhause geduldig auf sie warten, eben mal ein wirklich schönes Andenken mitbringen…

Andenken hin oder her, den ersten Sieg dieser Qualifikation haben wir auf jeden Fall sicher! Es war eine tolle Mannschafts-Leistung, die uns Auftrieb für die kommenden Aufgaben gegeben hat. Lange Zeit zum Feiern bleibt allerdings nicht, dafür musste der Eisbecher und die Wassermelonen nach dem Abendessen gestern reichen. Die Melonen hatten Team-Betreuerin Lolle und unsere Obst-Fanatikerin Anne noch unter Einsatz ihres Lebens während der Rückfahrt ins Hotel besorgt.

Wenn wir dann irgendwann heute Abend in Wolfenbüttel ankommen, wird der Fokus auf unsere Freunde von der Insel gerichtet und wir werden bestimmt genauso gut vorbereitet sein wie beim ersten Streich, so dass der Zweite sogleich folgen kann.

Immer noch 15.08.: Irgendwo über den Wolken zwischen Frankfurt und Hannover, 21 Uhr 15

Eigentlich hätten wir schon längst in Wolfenbüttel sein sollen aber unsere Geduld wurde nach dem oben erwähnten DBB-Puffer in Kiev sogar noch mehr auf die Probe gestellt. Das Flugzeug kam mit ungefähr 2 Stunden Verspätung an und bis es dann endlich losging verstrichen weitere 30 Minuten. Kurz vor Frankfurt erhielt der Pilot dann die Anweisung noch ein paar Kreise zu fliegen, da auf den Rollbahnen der hessischen Metropole Stau war. Mit ca. 3-stuendiger Verspätung hatten wir endlich wieder deutschen Boden unter den Füssen und dachten erst, die Lufthansa wollte uns dafür mit ein paar Kaffee-Gutscheinen abspeisen. Nach erfolgreicher Umbuchung auf die 21 Uhr Maschine Richtung Hannover und großem Verhandlungsgeschick unseres erfahrenen Delegationsleiters Roland Geggus sprangen dann doch noch beachtliche 255 Euro heraus, die mit sofortiger Wirkung in Pasta, Salat und andere Köstlichkeiten umgesetzt wurden. Wir waren zu dem Zeitpunkt auch schon kurz davor, uns gegenseitig in die Waden zu beißen.

Dieser Flug besteht glücklicherweise nicht aus viel mehr als Start und Landung, deswegen werde ich mein Laptop gleich zuklappen und mich auf das neue Domizil in Wolfenbüttel freuen. Es dringen leise Rufe einiger Hotelbetten durch die Wolken...

Donnerstag, 19. August 2010, 9 Uhr 53: Autobahn zwischen Wolfenbüttel und Halle/Westfalen

Wir haben wieder mal die Koffer gepackt und sind zum nächsten Reiseziel unterwegs. Diesmal sollte es statt insgesamt 13 Stunden Flugreise nur eine 2-stuendige Busfahrt werden. Es ist natürlich nie so schön und unterhaltsam nach einer Niederlage ein paar Gedanken festzuhalten, wie nach einem Sieg. Aber auch wenn das Ergebnis  gegen Großbritannien wehtat, hatten Imre und ich ausnahmsweise mal genau denselben Gedanken im Kopf: "Die Schlacht ist verloren, aber der Krieg ist noch lange nicht vorbei".

Spätestens als unser Mannschaftsarzt Doc Plescher bei der Nachbesprechung vom Spiel zum Thema Anspannung und richtige Spannung noch feststellte, dass es Glückshormone gibt, die Endorphine heißen und die es wirklich gibt, ist die Stimmung wieder aus dem Keller gekrochen.

Der gestrige freie Nachmittag konnte dann genutzt werde um den Kopf endgültig freizukriegen. Dabei konnten wir auf Endorphine in Form eines eigens für uns gecharterten Kinosaals mit Frei-Snacks zurückgreifen. Inception war ein toller Film, wir haben uns darauf geeinigt, dass der Kreisel fällt und haben jetzt wieder Platz im Kopf um uns auf den nächsten Kampf gegen die Slowakinnen in Halle vorzubereiten.

Wolfenbüttel war eine richtig tolle Zwischenstation, bei der weder im kulinarischen Bereich des Parkhotels noch bei der Lautstärke der ausgeliehenen Wildcats-Fans in ausverkaufter Lindenhalle Wünsche offen blieben.

So hoffen wir also, dass die Glückshormone bald wieder im Spiel produziert werden und nicht hinterher vom (eigentlich verbotenen aber trotzdem überlebenswichtigen) Schokoladenvorrat gezehrt werden muss. Der wissenschaftliche Beitrag von Spielerinnen-Seite zum Thema Endorphine war nämlich die Aussage, dass man eigentlich nur genug Schokolade braucht um glücklich zu sein.

Freitag, 20.August 2010, 21.40 Uhr

Unsere Europa-Tournee geht schon wieder im Bus weiter. Die Stimmung ist nach dem gewonnen Krimi vor Riesen-Kulisse im Gerry-Weber-Stadion ganz hervorragend. Und das ist auch gut so, denn die Fahrt nach Berlin wird noch ein paar Stunden dauern. Ein Zwischenfall hat allerdings nach Ende des Spieles noch für Empörung bei der gesamten Mannschaft gesorgt. Sarah, Anne und Lisa wurden für ihre 50ten bzw. 100ten Länderspiele geehrt, wobei vom Sprecher aber Dorothea Richter anstatt Lisa Koop angekündigt wurde. Das ist weder ein Versprecher noch Rechtschreibfehler und sollte dem oder den Verantwortlichen einfach nur peinlich sein!

Ansonsten war es aber wieder ein schöner Sieg, an dem wie immer viel mehr Menschen beteiligt waren als man es von den Zuschauerplätzen aus wahrnehmen kann. Darüber, wer dabei der "beste Mann ist", kann man sich natürlich streiten. Fest steht aber, dass wir Dank Video-Koordinator Helmut Wolf unsere jeweiligen Gegenspielerinnen immer fast besser kennen als sie sich selbst. So hat bei den Sichtungen des Film-Materials von den anderen Mannschaften wenigstens einer den Durchblick und steht uns außerdem bei kleinen und großen Technik-Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Leider will Helmuts Frau ihn wieder haben und wir müssen ab Sonntag wieder ohne ihn auskommen, was vor allem Imre zusätzliche Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte.

Auch Doc Plescher hat uns in Halle verlassen, auf den auch Frau und Kinder und zusätzlich noch ein voller OP-Plan wartet. Vielen Dank an beide für die Unterstützung in ihren jeweiligen Fachgebieten und auch für die Verbreitung guter Stimmung. Das können beide richtig gut und haben so im ständig andauernden Kampf gegen den Lagerkoller einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Gerade sind wir an einem Schild vorbeigekommen auf dem Berlin 285 km stand. Also noch genug Zeit um sich ein wenig zu freuen und gleichzeitig die müden Knochen auszuruhen, was auch nötig ist weil die Ukraine am Montag sicher alles versuchen wird um sich für die Heimniederlage in Kiev zu revanchieren.

Dienstag,  31.August 2010, 12.30 Uhr

Ich sitze zuhause in Hambergen am Küchentisch. Mama kocht, ich habe Schlaf nachgeholt, bin frisch geduscht und es steht keine Trainingseinheit oder Team-Meeting auf dem Plan. Die Welt ist also wieder in Ordnung nachdem sie es in den letzten 10 Tagen nicht immer war. Deswegen habe ich auch Dich, liebes DBB-Tagebuch, ein wenig vernachlässigt und muss nun einiges nachholen. Dabei werde ich wie immer versuchen, die schöne Seite der sprichwörtlichen Medaille zu betrachten.

Einmal in Berlin angekommen wurde uns schnell klar, dass wir uns an Hotels wie das am Sportpark Halle lieber nicht gewöhnen sollten. Dann doch lieber Jugendherbergs-Charme und Fertiggerichte, die von engagierten Hotel-Mitarbeitern aus dem Supermarkt um die Ecke vor unseren Augen in die Küche geschafft wurden. Auf die Nachfrage nach einem weicheren Kissen schoss Teambetreuerin Lolle ein freundliches "Was ihr immer wollt…" entgegen. Zum sportlichen Teil der Berlin Reise fallen mir die Schlagwörter "saublöd" und "selber Schuld" ein und möchte es dabei auch belassen.

Die nächste Station war Liverpool, wo uns der Anblick des Buffets im Novotel Freudentränen in die Augen trieb und ich erst mal fragen musste ob unser Flugzeug abgestürzt und wir alle zusammen im Paradies gelandet waren. Das Hotel war ein Traum, das Spiel ein Alptraum und die Stadt Liverpool ist echt schön. Sie ist nicht nur Geburtsort der legendären Beatles sondern auch Heimat des wohl herzlichsten Busfahrers, den ich auf all den DBB-Reisen kennengelernt habe. Roy stand nicht nur auf Balladen von Whitney Houston und Leann Rhymes sondern war echt ein richtig lieber Typ und zauberte mir mit seinem original britisch gesprochenem "I think you girls played well, Kiddo" und seiner ehrlichen Umarmung nach der schmerzhaften Klatsche wieder ein Lächeln aufs Gesicht. 

Morgens um 5 war dann am Flughafen in Manchester ein letztes Mal Knuddeln mit Roy angesagt und wir machten uns auf den Weg nach Kosice zur letzten Station der EM-Quali.

Zu dem Zeitpunkt war eigentlich noch alles offen. Mit einem Sieg über die Slowakei und durch ein bisschen Schützenhilfe von den Britinnen, die in Kiev gewinnen sollten, hätten wir noch Gruppenzweite werden und uns somit direkt für die EM qualifizieren können. Das war trotz allem immer noch sehr realistisch und deshalb guckten wir entsprechend doof aus der Wäsche als die Ukraine nachmittags vor unserem Spiel Großbritannien besiegte. Damit war klar, dass es für die Slowakei um alles und für uns um den Blumentopf bzw. die Ehre ging. Es wurde ein hart umkämpftes Spiel bei dem uns nicht die Qualität sonder einfach nur das berühmte Quäntchen Glück zum Sieg fehlte. Und trotz des vierten Platzes in der Gruppe, der wirklich bescheiden aussieht, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Nächsten Mai wird es eine Zusatz-Qualifikation für die letzten heiß begehrten Tickets nach Polen geben. So wird's auf jeden Fall nie langweilig.

In diesem Sinne vielen Dank für's Lesen und für's Daumen Drücken! Hoffentlich darf ich wenn ich groß bin mal ein echtes EM-Tagebuch anstelle des EM-Quali-Tagebuchs schreiben...